Kapitel 1.1: Ein Fotobuch – eine Geschichte

Mirja HespeVon Mirja Hespe

Die Autorin Mirja Hespe ist professionelle Fotobuchdesignerin und schreibt für FM* – Das Fotobuch Magazin die Tipps zur Fotobuchgestaltung. In 12 Kapiteln zeigen wir Euch, wie man mit einfachen Tipps mehr aus seinen Fotobüchern machen kann.

 


Das richtige Konzept

Sobald man sich entschlossen hat das Projekt Fotobuch anzugehen, möchte man natürlich am liebsten gleich richtig durchstarten. Mit den zumeist benutzerfreundlichen Gestaltungsprogrammen der Fotobuchdruckereien geht dies auch recht simpel. Die Fotos können einfach der Reihe nach aus dem eigenen Bilderordner in das Layout gezogen und so Seite für Seite gefüllt werden. Aber kommt dann am Ende wirklich das dabei heraus was man möchte?

Hinter jedem gelungenen Projekt steckt ein gutes Konzept. Bevor die Bauarbeiten an einem Haus beginnen gibt es eine detaillierte Planung, bevor die Dreharbeiten zu einem Film beginnen gibt es ein Drehbuch und bevor mit der Fotobuchgestaltung begonnen wird, muss man sich einige grundlegende Gedanken machen, damit eine klare Linie eingehalten und ein ansprechendes, wirkungsvolles Buch entworfen werden kann. Quasi ein Drehbuch fürs Fotobuch. Die folgenden Punkte zeigen den Aufbau eines Drehbuches anhand einiger Praxisbeispiele. Die Checkliste in Kapitel 1.6 ist eine Hilfestellung, um ein eigenes Drehbuch zu verfassen.

Das Drehbuch für das eigene Fotobuch.

Das Drehbuch für das eigene Fotobuch. Zum Vergrößern bitte anklicken oder als PDF Datei herunterladen.

 


 

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Drehbuch: Ein Fotobuch – eine Geschichte

Auch wenn das Fotobuch, wie der Name schon sagt, in der Regel von Fotos dominiert wird, so erzählt man doch eine Geschichte mit den verwendeten Bildern bzw. verfolgt einen bestimmten Zweck. Und in fast allen Fällen kann man aus den vorhandenen Bildern ganz unterschiedliche Bücher entwickeln.

Dies lässt sich anhand von Reisebildern gut verdeutlichen. Mit den Bildern eines einzigen Indien Urlaubes können völlig verschiedene Varianten gestalten werden. Einige Beispiele:

    • Titel I: Unsere Indienreise
      Ein einfaches Reisebuch, das die vielen Schönheiten und Traditionen, aber auch die starke Verschmutzung und Armut zeigt und so den Eindruck des Reisenden vom Land wiedergibt.
    • Titel II: Reisebericht Indien 2012
      Etwas aufwendiger; eine Reisedokumentation mit beschreibenden Texten zu den wichtigsten Stationen und Sehenswürdigkeiten. In der Regel sind diese Bücher genauso ehrlich wie ein Reisebuch. Es gibt alle Schönheiten, aber auch Probleme des Landes wieder und zusätzlich wird regelmäßig, z.B. zu Beginn eines neuen Kapitels ein beschreibender Text eingefügt + ggf. Bildunterschriften.
    • Titel III: Farbenprächtiges Indien
      Ein Bildband, bei dem die farbenfrohen Sarees der Frauen, bunte und außergewöhnliche Gewürze, sattgrüne Reisfelder mit lächelnden Bauern, fröhliche Kinder, prächtige Tempel und das glitzernde Meer gezeigt werden. Ein Buch wie ein Werbeprospekt, in dem Fotos von verschmutzten Straßen, bettelnden Menschen und lästigen Händlern keinen Platz haben.
    • Titel IV: Kochen nach indischen Originalrezepten
    Auch in einem Kochbuch würde man eher auf unappetitliche Bilder verzichten. Hier würden die Rezepte und vielleicht Bilder von Gewürzen, Marktständen und Garküchen im Vordergrund stehen.

Als weiteres Beispiel dienen die vier folgenden nostalgischen Bilder.

 

 

 

 

 

Wie diese Bilder angeordnet werden hängt nun natürlich vom individuellen Geschmack ab, aber auch davon was mit dem Buch bezweckt werden soll. Anhand dieses Beispiels wird recht deutlich, welche Auswirkung das „Drehbuch“ auf Überlegungen zu einzelnen Seiten hat.

 

a) Möchte man z.B. ein Buch gestalten, bei dem die Fotos wirken und mit schmückendem Text einfach eine schöne Erinnerung für jemanden sein sollen…

 

 

b) …oder soll es ein Buch werden, das auch späteren Generationen Aufschluss gibt?

 

 

Bei Letzterem bekommt auch die auf den ersten Blick recht langweilig wirkende Straße ganz links auf dem Bild eine ganz andere Bedeutung. So kann man den Enkelkindern gut verdeutlichen, dass die heute geteerte und recht stark befahrene Straße damals eine richtige Huckelpiste war und alle Grundstücke wegen des Viehs von einer hohen Mauer umgeben waren.

Natürlich soll ein Buch abwechslungsreich gestaltet sein und so kann man auch teilweise reine Bildseiten und Seiten mit Text abwechseln. Wichtig ist dann, dass sich ein harmonisches Gesamtbild für den Betrachter ergibt. So ein professioneller Gesamteindruck entsteht zum Großteil durch Kontinuität in der Gestaltung.

Man muss also das Ziel im Auge behalten. Wenn ein erklärendes Buch erstellt wird (Bild b), bei dem der Betrachter mehr Hintergründe zu den Bildern erfahren soll, so sollte man während der Gestaltung darauf achten, dass sich für den Leser eine durchgängige Geschichte ergibt, die keine Fragen offen lässt, möglichst von allen wichtigen Personen ein Bild auftaucht und auch möglichst alle beschrieben sind.

Gleiches gilt aber auch für reine Bildbände ohne Text. Wenn auf der linken Seite das Taj Mahal abgebildet ist und auf der folgenden Seite ein Bild vom Strand in Goa, dann fehlt der Zusammenhang. Lieber sollte zwischendurch noch ein Bild von der Zugfahrt oder vom Flug nach Goa eingefügt werden, so dass der „Leser“ gleich sieht, dass die Reise nach dem Besuch des Taj Mahals nach Goa fortgesetzt wurde. Erst dann ist die Geschichte vollständig.

 

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Autor: | E-Mail: mirja.hespe|at|fotobuchmagazin.de

6 Kommentare zu “Kapitel 1.1: Ein Fotobuch – eine Geschichte
  1. Arndt Klein sagt:

    Hallo Mirja ! Ich probiere ein Reise-Foto-Buch mit scribus. Wo findet man Deine Tipps in einer geschlossenen Form- Zeitschrift o.ä.? mfg Arndt Klein

  2. Mirja sagt:

    Hallo Arndt, vielen Dank für deine Nachricht! Ich freue mich, dass du dich für meine Tipps interessierst. In einer Zeitschrift oder einem Buch gibt es sie leider nicht. Sollte sich daran etwas ändern, erfährst du es sicher über „Das Fotobuch Magazin“ und weitere Tipps gibt es hier natürlich auch in Zukunft. Viel Spaß und Erfolg beim Gestalten! Viele Grüße, Mirja

  3. Carmen sagt:

    Hallo,

    ich möchte meiner Tochter zum 30. Geburtstag ein Fotobuch mit entsprechenden Texten machen – einfach DANKE zu sagen…

    Wo finde ich die passenden Büchervorlagen?

    Lieben Dank und viele Grüße
    Carmen

  4. FM* - Das Fotobuch Magazin sagt:

    Hallo Carmen,

    Die Vorlagen für Themenfotobücher findest du in der Regel direkt in der (kostenlosen) Software der Anbieter. Viele Hersteller wie Albelli, Pixum, myphotobook oder CEWE (um nur einige Beispiele zu nennen) haben in Ihre Gestaltungsprogramme bereits eine Menge vorgefertigter Layoutvorlagen, Hintergründe und fertig gestaltete Seiten integriert, die man einfach auswählen und dann mit eigenen Fotos bestücken kann. Die Software kann man auf den Internetseiten der jeweiligen Anbieter einfach herunterladen. Die Texte können in Textboxen untergebracht werden, die du frei positionieren kannst. Schriftarten, Größe u.a. kannst du natürlich auch selbst aussuchen. Es ist wirklich sehr leicht, mit den Programmen ein Buch zu gestalten, das den eigenen Vorstellungen entspricht. Die Programme sind so einfach angelegt, dass man keine lange Einarbeitungszeit braucht, um schöne Fotobücher gestalten zu können.

    Zum Beispiel kannst du dir bei Albelli einen Hintergrund (Motiv / Foto) aussuchen und dann ein fertiges Seitenlayout anwenden, wo leere Foto und Textboxen dann nur noch mit deinen Bildern und Texten versehen werden müssen – fertig ist eine Seite 🙂

    Beispiel für Hintergründe bei Albelli:

    Beispiel Themenhintergründe bei Albelli

    Beispiel für Seitenlayoutvorlagen bei Albelli:

    Vorgefeerrtighte Layouts mit Text und Fotofeldern

  5. Christiane Schildknecht sagt:

    Hallo,

    ich bin gerade dabei, ein Fotobuch zu gestalten, bei dem die Bilder zum Teil seitenfüllend zum Teil mit Rand eingefügt sind. Ich bin aber unsicher, ob diese Mischung gut ist, oder ob es nicht besser wäre durchgängig nur eines der beiden Formate zu nehmen. Hätten Sie da einen Rat?

    Grüße
    Christiane Schildknecht

  6. FM* - Das Fotobuch Magazin sagt:

    Hallo Christiane,

    zunächst einmal muss dir dein Fotobuch selbst gefallen. Stört es dich selbst, wenn du bei der Layoutansicht zwischen den Seiten springst und du zum einen mal einen Rand hast, zum anderen formatvolle Seiten hast? Vom Gefühl her, würde ich Fotobuchseiten so nicht gestalten. So weit ich dich verstanden habe, ist auf einigen Seiten dann plötzlich einiges an weißen Flächen um die Fotos herum, die nach einer formatvollen Seite dann sofort ins Auge stechen. Ich würde dies persönlich als störend empfinden und ist im Hinblick auf die Gesamtharmonie nicht ganz so stimmig. Ein durchgängiger roter Faden ist immer sinnvoll. Wie wäre es denn damit, beispielsweise die Fotos, die eigentlich frei stehen sollten, auf ein transparentes Hintergrundbild oder ein Hintergrundbild mit einem Effekt wie Sepia oder Grau zu setzen. Die einzelnen Fotos wären stark betont, vor allem wenn zusätzliche ein Schatteneffekt auf die einzelnen Fotos eingesetzt wird. Der Wechsel zu den Seiten mit formatvollen Fotos wäre dann nicht dramatisch 🙂

    Beispiel:

    Formatvolle Fotobuchseite

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