Kapitel 3.1: Vorauswahl des Bildmaterials

Mirja HespeVon Mirja Hespe

Die Autorin Mirja Hespe ist professionelle Fotobuchdesignerin und schreibt für FM* – Das Fotobuch Magazin die Tipps zur Fotobuchgestaltung. In 12 Kapiteln zeigen wir Euch, wie man mit einfachen Tipps mehr aus seinen Fotobüchern machen kann.

 


In den vorherigen Kapiteln gab es bereits immer wieder einige Hinweise zu diesem wichtigen Punkt „Sortieren“. Denn nur, wer einen guten Überblick über seine Fotos hat, kann sein Fotobuchprojekt systematisch angehen und sich somit viel Zeit sparen.

Der letzte Schritt bevor es mit der reinen Buchgestaltung richtig losgehen kann, ist also das Vorsortieren bzw. Aussortieren des Bildmaterials. Gegebenenfalls macht es auch Sinn, diesen Schritt bereits durchzuführen, bevor man alle Bilder chronologisch sortiert. Wie hier vorgegangen wird, hängt unter anderem von der individuellen Arbeitsweise, von der Anzahl der Fotos und von der Qualität des Bildmaterials selbst ab. Bereits bei der Erstellung des zweiten Fotobuches entwickelt man sicher ein Gespür dafür, welches Vorgehen das Bessere ist.

An dieser Stelle sei auch noch einmal darauf hingewiesen, dass eine chronologische Sortierung der Fotos die Bevorzugte und in den meisten Fällen auch die Sinnvollste ist. Z.B. die immer beliebter werdenden Familienchroniken lassen im Prinzip keine andere Anordnung des Bildmaterials zu und auch für Reisen und Events ist diese Reihenfolge gut geeignet. Es gibt aber natürlich auch Fotobuchprojekte bei denen die Farben der Fotos, Orte, Stimmungen oder Themen die Hauptrolle spielen (Beispiele unter Kapitel 1.4).

 

Bildmaterial aussortieren

Grundsätzlich hat es sich bewährt, zunächst eine Sicherungskopie des Ordners zu erstellen, der die Bilder für ein Fotobuchprojekt enthält. Gerade für Anwender, die nicht so vertraut im Umgang mit dem Computer sind, ist es oftmals eine Erleichterung zu wissen, dass die Bilder auf jeden Fall doppelt gesichert sind und nichts verloren gehen kann. Aber selbst einem Profi kann es passieren, dass durch einen zu raschen Klick aus Versehen ein Bild gelöscht wird.

Zum Thema Aussortieren ist es empfehlenswert, sehr vorsichtig mit dem Löschen von einzelnen Fotos umzugehen. Trennen sollte man sich auf jeden Fall von Bildern, die völlig verwackelt und dadurch unbrauchbar sind und auch von Fotos, die doppelt vorliegen. Allerdings nur, wenn sie wirklich das absolut gleiche Motiv zeigen und auch qualitativ gleichwertig sind.

Ist auf einem Foto zwar prinzipiell dasselbe Motiv abgebildet, aber die Perspektive ist etwas anders oder es sind andere Personen mit abgebildet, sollten diese Fotos noch als Alternativen aufbewahrt werden. Manchmal gibt es genau auf dem einen Bild einen Ausschnitt der sich bei der Gestaltung als willkommener Lückenfüller entpuppt.

Vielleicht sind auch der Papa mit der Tochter vor dem gleichen Motiv zwar besser getroffen als die Mama mit dem Sohn, aber nicht selten sind die Damen die Familienfotografen und verhältnismäßig selten auf Erinnerungsfotos abgebildet. Um ein ausgewogeneres Verhältnis herzustellen, sind diese 2.Wahl Fotos dann manchmal doch wichtiger als man anfangs denkt.

Wie folgendes Beispiel zeigt, kommen manche Ideen zum Fotobuch erst bei der Gestaltung. Der Inhalt dieses Fotobuches (Abbildung III.a) zeigt einen Teil einer Familiengeschichte. Erst nachdem viele Bilder in die Gestaltung eingegangen waren und bemerkt wurde, dass es einige gute Aufnahmen von Füßen gab, kam die Idee, das Cover mit Bildern von Füßen zu gestalten und ihm den passenden Titel „Footprints“ zu verleihen. Bei der ersten Durchsicht der Fotos waren einige der „Fußbilder“ zunächst aussortiert aber glücklicherweise nicht gelöscht worden.

Kapitel 3 zur Fotobuchgestaltung: Die Vorauswahl

Kapitel 3 zur Fotobuchgestaltung: Die Vorauswahl

Bevor man sich also komplett von Fotos trennt, die vielleicht auf den ersten Blick als nicht aussagekräftig eingestuft werden, ist es zum Einen denkbar, sie einfach in einem anderen Ordner abzulegen. Da sind sie nicht mehr ständig präsent, aber trotzdem noch verfügbar und es kann auf sie zurückgegriffen werden, wenn nötig.

Eine andere Möglichkeit bieten spezielle Programme, mit denen Kategorisierungen und Bildbeschriftungen vorgenommen werden können. Dadurch werden schlechter eingestufte Bilder nicht mehr inmitten aller anderen Bilder angezeigt sondern erst nach allen als relevant bewerteten Fotos. Detaillierte Vorgehensweisen dazu sind unter dem nächsten Punkt beschrieben.

 

Bildmaterial vorsortieren

 

Gerade wenn man ein Fotobuch nicht zu mächtig werden lassen und auf eine bestimmte Seitenzahl begrenzen möchte, sollte man sein Bildmaterial gründlich vorsortieren.

Das bedeutet nicht, dass man unbedingt einzelne Fotos aus Fotoserien löschen sollte. Gerade solch zusammenhängende Fotoreihen kann man auch einmal kleiner oder als Collage darstellen. Sie machen ein Fotobuch sogar lebendig. Hier geht es eher darum eventuell ganze Themenbereiche auszuklammern. Bei einer Familienchronik können dies Personen sein, die der Familie nicht so nah stehen und auf deren nähere Darstellung man verzichtet. Bei Reisen kann dies Tempel Nr. 12 von 24 sein, der vielleicht nicht ganz so interessant war.

Das Vorsortieren von Bildmaterial ist allerdings wirklich schwierig. Oftmals hängt man an jeder einzelnen Erinnerung und möchte doch so viel wie möglich davon im Fotobuch darstellen. In dem Fall ist eine weitere Möglichkeit, zwei Fotobuchbände zu gestalten. Auch hier ist die Familienchronik wieder ein gutes Beispiel. Band 1 könnte die Familie mütterlicherseits und Band 2 die Familie väterlicherseits darstellen. Das gewährleistet, dass ein Buch nicht zu langatmig wird und die Lust am Anschauen nicht verloren geht. Andere Betrachter der Chronik könnten sich so sogar ganz auf den Teil der Familie konzentrieren, der sie mehr interessiert.

In Bezug auf die spätere Fotobuchgestaltung ist es von der eigenen Arbeitsweise abhängig, ob im Vorhinein eine noch stärkere Vorsortierung durchgeführt wird. Vielen Gestaltern fällt es leichter, wenn sie eher mehr als weniger Bilder zunächst behalten und erst während der Gestaltung entscheiden, welche Bilder tatsächlich im Fotobuch abgedruckt werden sollen. Zumal die Ideen zur individuellen Gestaltung und zu jeder einzelnen Doppelseite oftmals erst beim Gestalten selbst kommen und man, wie im Beispiel zur letzten Abbildung III.a „Footprints“ oftmals am Anfang noch gar nicht ganz genau vor Augen hat, wohin die gestalterische Reise führt.

 

 

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Autor: | E-Mail: mirja.hespe|at|fotobuchmagazin.de

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