Kapitel 5.2: Der Goldene Schnitt beim Fotobuch


Mirja HespeVon Mirja Hespe

Die Autorin Mirja Hespe ist professionelle Fotobuchdesignerin und schreibt für FM* – Das Fotobuch Magazin die Tipps zur Fotobuchgestaltung. In 12 Kapiteln zeigen wir Euch, wie man mit einfachen Tipps mehr aus seinen Fotobüchern machen kann.

 


Der Goldene Schnitt bei der Fotobuchgestaltung

Wer sich näher mit dem Thema Gestaltung auseinandersetzt, wird unweigerlich auch mit dem Thema „Goldener Schnitt“ konfrontiert, der bereits im letzten Kapitel in Bezug auf das Einrichten eines Dokumentes und dem damit verbundenen Satzspiegel erwähnt wurde. Bei der Gestaltung eines Fotobuches spielt der Goldene Schnitt außerdem bei der Positionierung des Motivs innerhalb eines Bildrahmens und, für Perfektionisten, bereits beim Fotografieren eine Rolle.

Da man diesem Thema bei einer professionellen Gestaltung also an verschiedenen Stellen begegnet, soll dieser Exkurs zumindest eine Vorstellung davon vermitteln, was man unter dem Goldenen Schnitt versteht.

Kurz und knapp: der Goldene Schnitt bezeichnet ein Teilungsverhältnis, das Menschen offenbar als besonders harmonisch empfinden. An dieser Stelle soll nicht auf die Herleitung eingegangen werden, aber berechnet man den Goldenen Schnitt, kommt immer die Zahl 1,618… dabei heraus. Gut vorstellen kann man sich dieses Teilungsverhältnis anhand einer Strecke (siehe folgende Darstellung). Dabei ist diese nicht mittig geteilt sondern eben nach dem Goldenen Schnitt. Hier verhält sich der kleinere Abschnitt (a) zum größeren Abschnitt (b) verhältnismäßig genauso wie der größere Abschnitt (b) im Verhältnis zur ganzen Strecke (c). Wenn die gesamte Strecke (c) 10cm misst, ist (b) demnach = 6,180cm und (a) 3,820cm.

 

Goldener Schnitt

Goldener Schnitt beim Fotobuch: Beispiel des Teilungsverhältnis.

 

Praktisches Beispiel zum Goldenen Schnitt beim Fotobuch

Genug zur Theorie. Ein gern verwendetes praktisches Beispiel am menschlichen Körper ist der Bauchnabel, der sich immer ziemlich genau im Goldenen Schnitt befindet. Für dieses Beispiel dient noch einmal der Zwerg aus dem letzten Kapitel. Misst man ihn, natürlich ohne seine Mütze, stellt man fest, dass er 10cm groß ist. Um zu errechnen, wo sich der Goldene Schnitt bzw. der Bauchnabel befindet (oder befinden sollte), dividiert man also 10cm / 1,618 und hat somit bereits den größeren Abschnitt errechnet. In diesem Fall ist das der Oberkörper. Der kleinere Teil ist dann wieder 6,180cm/1,618 bzw. einfach der Rest.

Der goldene Schnitt für Fotos im Fotobuch: Ein Beispiel

Der goldene Schnitt für Fotos im Fotobuch: Ein Beispiel


 
 
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Beispiele für den Goldenen Schnitt in der Architektur

Häufig wird beim Menschen, wie auch bei diesem Zwerg, der Goldene Schnitt noch durch einen Gürtel betont. Sucht man nach Beispielen für den Goldenen Schnitt, stößt man auf unendlich viele Beispiele. Dabei taucht immer wieder das Alte Rathaus in Leipzig auf, bei dem der Rathausturm die Fassade nicht in der Mitte sondern nach dem Goldenen Schnitt teilt. Man stößt ebenfalls immer wieder auf das Parthenon in Athen, die Nautilus Muschel, den Pferdekörper usw.

Der goldene Schnitt taucht also nicht nur in der Fotografie und grafischen Gestaltung auf. Man kann ihn am eigenen Körper finden, in der Architektur, Kunst, Natur usw. Dabei ist dieses Verhältnis wahrscheinlich manchmal bewusst eingesetzt worden, manchmal aber sicherlich auch zufällig entstanden. Entscheidend für die Anwendung des Goldenen Schnittes ist also, zu wissen, dass ein solcher Punkt nicht mitten auf einer Linie oder mitten im Bild liegt sondern etwas versetzt.

Wurde er in manchen Kunstepochen genau berechnet, um in Kunstwerken einen harmonischen Eindruck zu erzeugen, so verlassen sich heute wohl die meisten Künstler, Fotografen und Gestalter auf ihre Intuition. Wie wahrscheinlich auch der Designer des oben abgebildeten Zwerges.

 

Harmonische Gestaltung des Fotobuchs durch den Goldenen Schnitt

Intuition ist dabei auch das Stichwort für Fotobuchgestalter. Wer sich viel Zeit nimmt, ein Fotobuch zu gestalten, wird sicher darauf achten, dass ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Man sollte sich also nicht allzu sehr an definierte Maßstäbe klammern sondern Bilder intuitiv in einem Bildrahmen positionieren. Manchmal ist es jedoch nützlich, sich am Goldenen Schnitt zu orientieren, z.B. wenn man mit der Wahl des Bildausschnittes oder der Seiteneinteilung noch nicht zufrieden ist.
 

 

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Autor: | E-Mail: mirja.hespe|at|fotobuchmagazin.de

3 Kommentare zu “Kapitel 5.2: Der Goldene Schnitt beim Fotobuch
  1. Anna sagt:

    Die Tipps hier sind so toll und leicht zu verstehen. Solche Dinge wie goldener Schnitt höre ich zum ersten mal und schaden, dass die Fotos für mein aktuelles Fotobuch schon alle gemacht sind. Urlaub ist halt vorbei. Natürlich alles falsch gemacht schon beim knippsen. Dabei ist es ja echt einfach, viel mehr aus den Fotos rauszuholen. Dann halt beim nächsten mal…

  2. utk-klima sagt:

    nur zur Richtigstellung: es ist das alte Rathaus in Leipzig….

  3. FM* - Das Fotobuch Magazin sagt:

    Danke für den Hinweis – der Fehler wurde korrigiert!

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