Kapitel 8: Tutorial zur Bildbearbeitung mit GIMP


Mirja HespeVon Mirja Hespe

Die Autorin Mirja Hespe ist professionelle Fotobuchdesignerin und schreibt für FM* – Das Fotobuch Magazin die Tipps zur Fotobuchgestaltung. In 12 Kapiteln zeigen wir Euch, wie man mit einfachen Tipps mehr aus seinen Fotobüchern machen kann.

 


 

Einfache Bildbearbeitung mit GIMP: Rote Augen – Einfärben – Effekte und mehr

Für ein Fotobuch müssen die eigenen Fotos natürlich nicht unbedingt bearbeitet werden. Je höher aber die Ansprüche an das eigene Fotobuch (Startseite unseres Magazins) werden, desto mehr wird man sich wohl auch mit diesem Thema beschäftigen.

Einige Wünsche an die Verbesserung der Fotos können bereits mit den diversen Funktionen der Anbieter-Software erfüllt werden. Dies betrifft meistens die Helligkeit, den Kontrast oder auch die Farbsättigung eines digitalen Fotos. Außerdem besteht in der Regel die Möglichkeit, ein Foto schwarz-weiß oder sepia einzufärben. Teilweise können sogar weitere Detailänderungen, wie das Entfernen roter Augen oder das Begradigen des Horizontes vorgenommen werden.

Ein Vorteil bei dieser Art der Bildbearbeitung ist, dass sie direkt im Gestaltungsprogramm stattfindet, wodurch eine schnelle Bearbeitung möglich ist. Ein weiterer Vorteil ist die in der Regel sehr einfache Handhabung.

Allerdings stößt man auch rasch an die Grenzen dieser Programme. Zum Beispiel kann keine besonders feine Justierung vorgenommen werden und die meisten Veränderungen werden auf das gesamte Foto angewendet. Möchte man also nur einen bestimmten Ausschnitt bearbeiten, z.B. aufhellen, oder aufwendigere Arbeiten an einem Foto vornehmen, muss auf spezielle Bildbearbeitungssoftware zurückgegriffen werden.

 

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Bildbearbeitung mit GIMP

Bei der Recherche nach der „besten“ Lösung zur Bildbearbeitung wird man auf eine Vielzahl an kommerziellen und nicht-kommerziellen Programmen stoßen. Zur Beurteilung ist entscheidend, welche Möglichkeiten das Programm für den persönlichen Gebrauch bieten muss oder soll und wieviel Zeit man bereit ist für die Einarbeitung zu investieren. Denn für effektvolle Ergebnisse ist ein qualifizierter Umgang mit dem jeweiligen Programm absolute Voraussetzung. Auf die Schnelle wird kein Programm zu erlernen sein.

Da die Wahl der Software also eine ganz individuelle Entscheidung ist, möchten wir an dieser Stelle keine Empfehlung abgeben. Zur Veranschaulichung unserer Beispiele, werden wir auf das umfangreiche Open Source Programm „GIMP“ (Version GIMP 2.8.14) zurückgreifen. Dies hat den Hintergrund, dass wir unseren Lesern Anwendungsbeispiele anhand eines kostenlosen Programmes vorstellen möchten. Es bedeutet allerdings nicht, dass es keine anderen kostenlosen, gleichwertigen oder besseren Lösungen gibt.

Möchte man mit diesem Programm arbeiten, ist die Software schnell im Internet zu finden, herunterzuladen und in der Regel auch problemlos zu installieren. Der Umgang damit erfordert hingegen einige Einarbeitung. Wir werden jedoch die nachfolgenden Beispiele so anschaulich wie möglich beschreiben, damit sie auch für Anfänger leicht nachvollziehbar sind.

Wird GIMP geöffnet, erscheint zunächst eine leere Oberfläche wie in der nächsten Abbildung. Um dann ein Foto zu öffnen, klicken Sie lediglich in der oberen Menüleiste auf den Punkt „Datei“ und „Öffnen“. Dort können Sie dann auf Fotos zugreifen, die auf Ihrem eigenen Rechner gespeichert sind. Das ausgewählte Foto wird anschließend vollflächig dargestellt.

 

Öffnen eines Bildes mit GIMP

Ein Bild öffnen mit GIMP

So öffnet Ihr ein Bild / Foto mit GIMP.

 

Neben dem Öffnen eines Bildes sind zwei weitere Funktionen elementar. Die eine ist das rückgängig machen einer Aktion, wenn sie einmal nicht den gewünschten Effekt gebracht hat. Dies funktioniert mit „Bearbeiten“ in der oberen Menüleiste und „Rückgängig…“. Oder mit der Tastenkombination „Strg + Z“.

Ebenfalls wichtig ist natürlich das Speichern des bearbeiteten Fotos. Am Ende der Bearbeitung bzw. möglichst auch zwischendurch, wird ein Bild gespeichert unter „Datei“ und „Exportieren als…“.

Anwendungsbeispiele zur Bildbearbeitung
Die Möglichkeiten in der Bildbearbeitung reichen von der einfachen Entfernung von Flecken im Bild bis hin zur komplizierten Beauty-Retusche, um Falten oder Hautunreinheiten zu kaschieren. Das Thema ist demensprechend sehr komplex und nicht in wenigen Worten zusammenzufassen. In diesem Kapitel werden wir uns deshalb auf einige Anwendungsbeispiele konzentrieren, die besonders populär sind und die teilweise in den vorhergehenden Kapiteln erwähnt wurden.

Zeigen möchten wir im ersten Teil des Kapitels die Entfernung von roten Augen, das Einfärben von Fotos und auch die Entfernung von störenden Bildelementen bzw. Flecken.

 

Beispiele zur Bildbearbeitung

 

Rote Augen entfernen

Hinweis: Bildbearbeitungen sollten stets nur an Kopien der Fotos vorgenommen werden. Ein Foto kann durch Bildbearbeitung stark aufgewertet werden. Genauso kann die Bearbeitung aber leider auch misslingen und eine Aufnahme ruinieren.

Ein Problem, das wohl jeder kennt, sind rote Augen in Fotos. Sie wirken bisweilen teuflisch und können einer ganzen Doppelseite den Reiz nehmen. Denn ein solch unschöner Farbtupfer zieht schnell die Blicke auf sich.

Wie bereits erwähnt, bieten einige Programme der Fotobuch Anbieter die Möglichkeit rote Augen zu entfernen. Dabei wird der Rotstich mit einer schwarzen oder grauen Fläche überlagert. Gerade bei klein dargestellten Fotos, kann diese Funktion vollkommen ausreichend sein. Manchmal wird der betreffende Bereich bei der halbautomatischen Korrektur allerdings etwas zu großzügig oder nicht korrekt ausgewählt. Bei einer vollautomatischen Korrektur kann es sogar passieren, dass das Programm einen anderen rötlichen Farbton im Foto korrigiert als den der Augen.

Bei der Nutzung dieser Funktion gilt es also zu bedenken, dass sie nicht unbedingt ganz fehlerfrei arbeitet. Es muss darauf geachtet werden, dass nicht versehentlich andere Bildbestandteile verändert werden und auch, dass der Blick nach der Bearbeitung immer noch natürlich wirkt.
Ist mit dem Anbieterprogramm kein zufrieden stellendes Ergebnis zu erzielen, muss das Foto mit einem speziellen Bildbearbeitungsprogramm korrigiert werden. Mit GIMP gibt es unterschiedliche Methoden die roten Augen zu entfernen.

 

Methode I – Automatische Korrektur per Filter

 

  • Das Bild wie zuvor beschrieben in GIMP öffnen
  • Anschließend muss mit dem Vergrößerungswerkzeug sehr weit in das Foto hineingezoomt werden. So weit, dass nur noch ein einziges Auge auf der Arbeitsfläche zu sehen ist (Screenshot Punkt a).
  • In diesem Ausschnitt wird dann mit einem Auswahlwerkzeug -z.B. elliptische Auswahl oder die daneben liegende freie Auswahl (Lasso Symbol)- der Bereich ausgewählt, der korrigiert werden soll (Screenshot Punkte b,c).
  • Anschließend im oberen Menü unter „Filter“ – „Verbessern“ – „Rote Augen entfernen…“ auswählen.
  • Im sich daraufhin öffnenden Fenster kann anhand des Schiebereglers der Schwellwert bestimmt werden. Mit diesem müssen Sie evtl. etwas experimentieren, um ein gutes Ergebnis zu erlangen (Screenshot Punkt d).
  • Betrachtet man das ganz nah herangezoomte Auge, wird die Bearbeitung immer noch befremdlich wirken. Deshalb ist nach der Bearbeitung das Bild wieder auf die Originalgröße zu zoomen, um das Bearbeitungsergebnis besser beurteilen zu können.

Die automatische Entfernung der roten Augen kann ein recht gutes Ergebnis erzeugen. In vielen Fällen wird aber auch hier eine manuelle Nachbearbeitung notwendig sein.

Screenshots bitte durch Klicken vergrößern:

Rote Augen entfernen - Punkt A

Rote Augen entfernen – Punkt A

Rote Augen entfernen - Punkt B

Rote Augen entfernen – Punkt B

Rote Augen entfernen - Punkt C

Rote Augen entfernen – Punkt C

Rote Augen entfernen - Punkt D

Rote Augen entfernen – Punkt D

 


 

Methode II – Manuelle Korrektur

Für ein akkurates Ergebnis kommt man nicht um die manuelle Korrektur herum. Sie ist zwar aufwendiger, das Ergebnis ist dafür aber auch deutlich besser. Für diese Variante gibt es nicht den Einen richtigen Weg. Je besser man sich hier mit den Werkzeugen zur Bildbearbeitung auskennt, desto geschickter wird man sie einsetzen, um das Ergebnis noch mehr zu perfektionieren. Ein Weg sieht so aus:
 

  • Schritte 1 bis 3 sind identisch mit der Vorgehensweise zur automatischen Korrektur.
  • Ist die Pupille ausgewählt, wird anschließend mit dem Kanalmixer weiter gearbeitet. Dieser ist zu finden in der oberen Menüleiste unter „Farben“-„Komponenten“-„Kanalmixer“.In dem sich öffnenden Fenster wird die Farbmischung (RGB: rot, grün, blau) dargestellt, die den ausgewählten Ausschnitt betrifft. Da der Rotstich entfernt werden soll, wird der „Ausgabekanal rot“ ausgewählt und der Rot-Anteil auf den gewünschten Anteil reduziert. Ggf. muss auch der Anteil von grün und blau etwas verändert werden. Das Vorschaufenster vermittelt einen Eindruck von dem Ergebnis.
  • Nach diesem Schritt wird man mit dem Ergebnis wahrscheinlich immer noch nicht ganz glücklich sein. Der farbliche Übergang von der Pupille zur Iris oder dem Augenlid wird noch etwas zu deutlich und unnatürlich sein. Um ihn weicher zu gestalten, wählen Sie wieder über das obere Menü „Filter“-„Weichzeichnen“-„Gaußscher Weichzeichner…“ aus. Für den richtigen Radius muss man etwas probieren.
  • In unserem Beispielbild war die Pupille nach diesen Bearbeitungsschritten noch etwas zu hell, so dass wir sie mit Hilfe des „Nachbelichten“ Werkzeugs etwas abgedunkelt haben (Screenshot a). Zudem haben wir die umliegenden Farben etwas miteinander vermischt, wozu das „Verschmieren“ Werkzeug dient (Screenshot b).
  • In diesem Foto konnten wir den weißen Punkt im Auge erhalten, der die Natürlichkeit des Bildes betont. Geht er einmal während der Bearbeitung verloren, kann man ihn mit einem weißen Pinseltupfer wieder einfügen.

 

Manuelle Korrektur roter Augen.

Die manuelle Korrektur roter Augen (Screenshots A -links- und B -rechts-).

 

Fotos schwarz-weiß oder sepia einfärben

In Kapitel 3.3 sind wir bereits auf dieses Thema eingegangen. Damals ging es allerdings eher um die Stapelverarbeitung. Also darum, sehr viele Fotos mit dem gleichen schwarz-weiß Effekt zu versehen. Zudem haben wir unter dem Punkt das Vorgehen anhand des ebenfalls kostenlosen Programms Picasa vorgestellt. Um sich nicht in zu viele verschiedene Programme einarbeiten zu müssen, beschreiben wir es an dieser Stelle der Vollständigkeit halber auch noch einmal kurz mit GIMP.
 

  • Das zu bearbeitende Foto in GIMP öffnen.
  • Unter „Farben“ in der oberen Menüleiste den Punkt „Einfärben“ auswählen.
  • Daraufhin öffnet sich nachfolgend abgebildetes Fenster, bei dem per Schieberegler der Farbton, die Sättigung und auch die Helligkeit bestimmt werden können. Auf diese Weise sind viele Feinabstufungen in der Veränderung des Fotos möglich.

 

Bilder einfärben

Bilder einfärben mit GIMP: Farbton, die Sättigung und auch die Helligkeit lassen sich per Regler einstellen.

 

Sepia Effekt GIMP

Sepia Effekte und schwarz-weiß lassen sich mit GIMP einfach auf ein Foto anwenden.

 
Wie zuvor erwähnt, sollten Fotos auch in der Software des Fotobuchherstellers mit einem schwarz-weiß oder sepia Effekt versehen werden können. Der Nachteil dabei ist, dass es meistens nur eine einzige Voreinstellung zur Farbgebung gibt und somit vielleicht nicht genau der Ton erreicht wird, den man gerne hätte. Wählt man den Weg hingegen über GIMP, Picasa oder ein anderes Bildbearbeitungsprogramm, kann man das Foto zudem mit den veränderten Farben abspeichern und auch für andere Zwecke verwenden.

 

Flecken bzw. störende Elemente in Fotos entfernen

Schmutz auf der Linse ist besonders ärgerlich. Noch ärgerlicher ist es, wenn erst nach dem Urlaub festgestellt wird, dass auf allen Fotos ein Fleck durch diesen Schmutz ist, den man durch die Kamera nicht gesehen hat. Was tun? Bei einigen Motiven wird er vielleicht nicht auffallen. Gerade bei einem strahlend blauen Himmel, sticht solch ein Fleck aber besonders hervor. Und im Fotobuch möchte man solche unschönen Stellen natürlich auf gar keinen Fall verewigen.

So etwas ist ärgerlich und die Entfernung ist mit einiger Nacharbeit verbunden, die man sich sicher lieber gespart hätte. Gerade dort, wo die Flecken auf einem recht ebenmäßigen Hintergrund sehr auffallen, sind sie aber meistens auch relativ leicht zu entfernen.
Für die Bearbeitung in GIMP eignet sich besonders das „Klonen-Werkzeug“. Hiermit können passende Bildbereiche, wie der Name schon sagt, geklont werden. Der geklonte Bereich wird dann über den Fleck „gelegt“, um ihn zu kaschieren.

  • Nach Öffnen des Bildes das in folgender Abbildung markierte Werkzeug zum Klonen auswählen. Achtung, das Klonenwerkzeug greift auf die zuvor ausgewählte Pinselform zurück. In diesem Fall war ein Stern ausgewählt.

 
Klonwerkzeug GIMP 1
 

  • Für die Klonarbeit ist dieser Stern nicht ganz optimal. Dementsprechend muss zunächst eine geeignete Pinselspitze gewählt werden. Möglichst die runde Spitze mit weichem Rand, wie im nächsten Bild.

 
Klonwerkzeug GIMP 2
 

  • Unterhalb der Wahlmöglichkeit der Pinselspitze, kann die Größe des Pinsels festgelegt werden. Bei diesem Beispielfoto kann man ohne weiteres eine größere nutzen. Befindet sich der Fleck hingegen z.B. in einem Gesicht, ist sicherlich eine Bearbeitung notwendig, die mehr Fingerspitzengefühl und somit eine kleinere Pinselspitze erfordert.
  • Für das Klonen muss unbedingt auch die Strg-Taste gedrückt werden (also Klonfunktion auswählen UND Strg-Taste drücken). Dann kann in den Bereich geklickt werden, der geklont werden soll. Achtung: Da der Himmel verschiedene Blaunuancen aufweist, ist ein Bereich auszuwählen, der sich möglichst nah an dem Fleck befindet. Das heißt in unserem Beispielbild ist für den oberen Fleck eine andere Auswahl notwendig, als für den unteren.
  • Wird die Strg-Taste losgelassen, kann mit den geklonten Bildbestandteilen einfach über den betreffenden Bereich gestempelt werden.

 
Klonwerkzeug GIMP 3
 

 
 

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Autor: | E-Mail: mirja.hespe|at|fotobuchmagazin.de

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