Kapitel 6 – 2. Teil: Fotobuch Hintergründe gekonnt gestalten & mehr…


Mirja HespeVon Mirja Hespe

Die Autorin Mirja Hespe ist professionelle Fotobuchdesignerin und schreibt für FM* – Das Fotobuch Magazin die Tipps zur Fotobuchgestaltung. In 12 Kapiteln zeigen wir Euch, wie man mit einfachen Tipps mehr aus seinen Fotobüchern machen kann.

 


 

Fotobuch Hintergründe gekonnt gestalten und inszenieren

Fotobuch Hintergründe gekonnt gestalten und inszenieren: Nicht nur im zuvor genannten Tipp zur Fotobuchgestaltung mit Schrift spielt die Farbe eine Rolle. Auf den ersten Blick noch dominanter ist die Farbe des Hintergrundes einer Seite bzw. Doppelseite.

Ein auffälliger und außergewöhnlicher Hintergrund kann das Cover zu einem echten „Hingucker“ machen. Z.B. wenn für den Hintergrund eine sehr knallige Farbe gewählt wird oder eine besonders gelungene und aussagekräftige Aufnahme den Hintergrund schmückt.
Grundsätzlich sollte man jedoch mit farbigen Hintergründen eher zurückhaltend umgehen. Für einzelne Innenseiten kann ein farbiger Hintergrund bzw. eine Vorlage mit ansprechenden Gestaltungselementen eine schöne optische Abwechslung sein. Gerade wenn mit den Gestaltungsprogrammen der Druckanbieter gearbeitet wird, kommen viele Fotobuchgestalter jedoch leicht in Versuchung zu häufig in die zumeist vielfältige Schatzkiste der verfügbaren Hintergründe zu greifen.

Stellt man sich ein Fotobuch mit Babyfotos vor, bei dem auf dem Cover oder einzelnen Seiten entsprechende Motive (Teddy, Schnuller, Fußabdrücke, etc.) abgebildet sind, kann dies die Thematik schön unterstreichen. Sind diese oder andere Motive und Muster allerdings zahlreich, auf jeder Seite und vielleicht auch noch in sehr auffälligen Farben abgebildet, wirkt es auf Dauer eher unruhig. Mitunter sogar störend, da es von den eigentlichen Fotos eher ablenkt und die Farben der vorgegeben Gestaltungselemente sicherlich nicht immer mit den Farben der Fotos harmonieren.
Noch schwieriger und meistens unansehnlicher wird es, wenn man versucht unterschiedliche Hintergründe miteinander zu kombinieren. Vielleicht weil es schwer fällt, sich für den schönsten Hintergrund zu entscheiden.

 


 

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Allgemein ist es nicht nur leichter sondern auch zu Gunsten eines stilvollen Erscheinungsbildes empfehlenswert, sich an einen oder zwei Grundtöne zu halten. Dabei sind weiße und schwarze Seitenhintergründe die Klassiker. Die Wahl ist letztendlich nicht nur eine Geschmacksfrage sondern auch eine Frage des Bildmaterials. Wenn das Fotobuch viele digitalisierte Aufnahmen enthält, deren Vorlage verblasste Fotos sind (die nicht nachbearbeitet wurden), ist das Gesamtbild mit einem schwarzen Hintergrund oft recht trist. Hat man aber leuchtende Aufnahmen mit viel Sonne, Strand und Meer, verleiht ein schwarzer Hintergrund den Fotos ggf. noch mehr Brillanz.
Hintergrundfarben sind in der Regel leicht zu verändern und da probieren über studieren geht, kann man die Wirkung mit den eigenen Fotos leicht testen.

Wer nicht ganz auf Farbe verzichten will, kann auf einzelnen Seiten immer mal wieder Farbakzente setzen. Um dennoch ein harmonisches Erscheinungsbild zu wahren, sollte man hier möglichst auf Farben aus den abgebildeten Fotos zurückgreifen. Dies geht ganz einfach mit der sogenannten „Pipette“, die auch die meisten Programme der Fotobuchdruckereien anbieten (ggf. über die Such- bzw. Hilfsfunktion suchen). Mit dieser Pipette wird dann einfach auf eine beliebige, möglichst dominante Farbe im ausgewählten Foto geklickt und man kann den Farbton für die weitere Verwendung im Programm abspeichern. Zur Verdeutlichung greifen wir wieder einmal auf das kostenlose Gestaltungsprogramm Scribus zurück.

Fotobuch: Farben mit der Pipette extrahieren

In der Werkzeugpalette findet man die Pipette; bei Scribus als „Farbwähler“ bezeichnet. In dem oberen Bild ist er mit einem roten Kreis gekennzeichnet. Klickt man diesen Farbwähler an, kann man anschließend irgendeine Farbe in einem der Fotos auswählen. In diesem Fall fiel die Wahl auf das auffällige gelb.

Fotobuch: Farben mit der Pipette extrahieren - 2. Schritt

Nach der Auswahl öffnet sich ein Fenster, in dem die gewählte Farbe mit einer Bezeichnung versehen werden muss. Z.B. „Gelb_Triumph“.

Fotobuch: Farben mit der Pipette extrahieren - 3. Schritt

Anschließend ist die gewählte Farbe in der Farbpalette zu finden und kann sowohl für Hintergründe als auch für Schriften verwendet werden.
Wie bereits zuvor unter diesem Punkt und auch in den „Tipps zur Fotoauswahl und Motiven für ein Fotobuch“ (Kapitel 2.3) erwähnt, eignen sich auch manche Fotos als Hintergrundmotiv für eine ganze Seite bzw. Doppelseite. Wirken Sie in Kombination mit den drauf platzierten Fotos der Seite allzu aufdringlich, sollte man die Fotos ggf. etwas blasser darstellen (die Sättigung reduzieren) oder das Bild transparenter erscheinen lassen.

 


 

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Fotobuch gestalten: Freie Flächen wirken lassen

Ein Fotobuch kreativ gestalten – Freie Flächen wirken lassen: Im Gegensatz zur vollflächigen Platzierung eines einzelnen Bildes, kann man natürlich auch einmal eine freie Fläche wirken lassen. Also den reinen schwarzen oder weißen Hintergrund einer Seite. Dazu muss man sich von dem Gedanken lösen, jede Seite mit so viel wie möglich Bildern und/oder Text füllen zu wollen.

Dies wirkt sehr schick und edel. Bspw. bei Bildbänden, die lediglich die schönsten und gelungensten Aufnahmen einer Reise zeigen, ist dies relativ leicht umzusetzen. In diesem Fall könnte man z.B. immer nur auf der rechten Seite das Motiv abbilden und auf der linken Seite eine kurze Bildbeschreibung abdrucken. Oder man stellt eine Landschaftsaufnahme sehr groß und seitenübergreifend dar und ein Detail kleiner daneben.

Freie Flächen im Fotobuch richtig wirken lassen.

Freie Flächen im Fotobuch richtig wirken lassen.

Gestaltet man eine Seite wie in dem obigen Beispiel, muss man gerade bei im Digitaldruck hergestellten Fotobüchern darauf achten, keine wichtigen Bildbestandteile im Buchfalz zu platzieren. Bei den meisten Landschaftsaufnahmen ist dies kein Problem, da es in vielen Fällen nichts ausmacht, wenn ein paar Millimeter des Bildes nicht zu sehen sind. Bei Gruppenaufnahmen ist hier hingegen wesentlich mehr Vorsicht geboten. Wenn eine oder mehrere Personen später im Buchfalz „verschwinden“, ist dies sehr ärgerlich.

In umfangreichen Reisedokumentationen oder Chroniken ist diese großzügige Gestaltung -nicht zuletzt aus Platzmangel- nicht ganz so leicht und einheitlich zu realisieren. Gerade bei ganz dicken Fotobüchern sollte man solche Seiten trotzdem immer wieder einplanen. Zum Einen kommen besonders gelungene Fotos auf diese Art und Weise besser zur Geltung und zum Anderen ist es für den Betrachter des Buches eine angenehme und überraschende Abwechslung, wenn nicht der komplette Satzspiegel ausgenutzt wird.

 

Einheiten bilden und gleichmäßige Abstände im Fotobuch einhalten

Wie bereits erwähnt, ist eine Doppelseite in einem Fotobuch umso wirkungsvoller, je besser die Abbildungen auf der Seite zusammen passen. Ebenfalls schon erwähnt wurde, dass zusammenfassende Textpassagen schöner mit den Fotos beim gestalten des Fotobuchs kombiniert werden können, als viele einzelne Bildunterschriften. Um beides auch noch ansprechend und sinnvoll miteinander zu kombinieren, sollte man unbedingt darauf achten, Text- und Bildeinheiten zu schaffen.

Dabei hilft uns der in den vorbereitenden Aufgaben geschaffene Satzspiegel (siehe Kapitel 5.1). Er gibt uns bei der Gestaltung bereits einen gewissen Rahmen vor, der gewährleistet, eine gleichmäßige Gestaltung beizubehalten. Innerhalb dieses Rahmens und mithilfe der ebenfalls zuvor geschaffenen Raster, lassen sich leicht Bilder zu einer Gruppe bündeln.

Wie die folgenden Beispiele zeigen, unterbrechen viele willkürlich angeordnete Fotos den Lesefluss (Beispiel 1). Schafft man jedoch Einheiten an zusammengehörenden Fotos und bündelt den Text, erscheint die Seite gleich viel übersichtlicher und aufgeräumter (Beispiel 2). Der Leser kann sich also erst auf die Bilder und dann auf den Text konzentrieren und wird nicht immer wieder unterbrochen, was sehr angenehm wirkt.

 

  • Beispiel 1:

Fotobuch Abstände: Beispiel

 

  • Beispiel 2:

Fotobuch Abstände: Beispiel 2

Ebenfalls verdeutlicht dieses Beispiel, wie wichtig es ist, dass immer der gleiche Abstand zwischen Fotos eingehalten wird. Am Einfachsten ist diese Gleichmäßigkeit durch ein Raster einzuhalten. Möchte man nicht mit solch einem Raster arbeiten, sollte man dennoch versuchen, möglichst identische Abstände zu schaffen und nicht einmal 5mm und einmal 9mm Raum zwischen den Abbildungen zu lassen.

 

Achtung Blitzer beim Fotobuch gestalten!

Apropos Abstände… Grundsätzlich sollte man sich beim Fotobuch gestalten an den Satzspiegel halten und die Abstände zum Seitenrand immer identisch beibehalten. Gezielt kann man jedoch auch einmal aus diesem Rahmen „ausbrechen“ und eine oder auch mehrere Doppelseiten völlig randlos gestalten.

In diesem Fall muss man den unter Kapitel 5.1 beschriebenen Beschnitt beachten. In den professionellen Gestaltungsprogrammen legt man diesen selbst an. In den Software der Fotobuchanbieter findet man ihn vielleicht als ausgegrauten Bereich oder markiert durch eine farbige Linie.

Bei einer randlosen Gestaltung ist es wichtig, dass man das oder die Bilder am äußeren Rand platziert. Also in den Bereich des Beschnitts setzt. Andernfalls können unschöne „Blitzer“ entstehen. Dies sind weiße, unbedruckte Stellen, die durch leichte Abweichungen beim Beschneiden der Seiten entstehen.

In den folgenden Beispielen verdeutlicht der rote Rahmen das tatsächliche Buchformat. Der Rand außerhalb dieses Rahmens ist der Beschnitt.

 

  • Beispiel 1:

Fotobuch Beschnitt Beispiel 1
Beispiel 1: In diesem Fall wurde das Bild nur im Rahmen des letztendlichen Fotobuchformates platziert. Wird ein Fotobuch nach dem Druck nun etwas unsauber beschnitten, kann es sein, dass der Beschnitt-Bereich nicht komplett entfernt wird und am Rand der Seite ein weißer Streifen sichtbar bleibt. Bei einer Seite, die eigentlich vollflächig bedruckt sein sollte, würde dies negativ auffallen.

 

  • Beispiel 2:

Fotobuch Beschnitt Beispiel 2
Beispiel 2: So ist das Bild richtig platziert und es können keine unschönen Blitzer entstehen.

 

Fokussieren und nicht ablenken! Zwei gestalterische „no goes!

Egal welchen der vorangegangenen Tipps man nimmt, alle zielen darauf ab den Blick des Lesers bzw. Betrachters eines Fotobuches zu lenken, Akzente zu setzen, Spannung zu erzeugen und diese bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten.

Um dies erfolgreich umsetzen zu können, muss man sich immer wieder auf die Geschichte besinnen, die man erzählen möchte; das Drehbuch zum Fotobuch (siehe Kapitel 1). Auf jeder einzelnen Seite bzw. Doppelseite muss ein Schwerpunkt gesetzt werden, um den Betrachter zu fesseln und immer wieder muss man neu überlegen, welche Fotos, Gestaltungselemente und Texte tatsächlich notwendig sind, um diesen roten Faden weiter zu verfolgen.

Jede neue Seite fordert unsere Kreativität. Und dabei sei noch einmal betont, dass kreativ sein nicht bedeutet möglichst viele Möglichkeiten des Gestaltungsprogramms zu nutzen. Bei Amateuren gern verwendet und bei professionellen Gestaltern in den meisten Fällen als Fauxpas betrachtet ist dabei besonders, wenn Fotos schräg gestellt werden oder auch wenn sich Fotos überlappen. Beides vermittelt eher Unruhe, lenkt ab und wirkt somit nicht besonders professionell und geschmackvoll. Umso verwunderlicher, dass in vielen Gestaltungsvorlagen der Fotobuchanbieter genau diese gestalterischen Tabus nicht beachtet werden.

Folgende Negativbeispiele zeigen diese recht chaotisch wirkende Anordnung:

Fotobuch Negativbeispiel 1Fotobuch Negativbeispiel 2

 

Das Arbeiten beim Fotobuch gestalten erleichtern

Gerade umfangreiche Fotobuchprojekte sind nicht von einem Tag auf den anderen abzuschließen. Wenn sich das Fotobuch gestalten über einen längeren Zeitraum erstrecken, ist es durchaus ratsam und hilfreich einige Punkte schriftlich festzuhalten und ggf. die „Vorlage für das Drehbuch“ (Punkt 1) dementsprechend zu ergänzen. Vor allen Dingen Schriftgrad im Fließtext und Schriftgrad in Überschriften, aber auch Abstände zwischen den Fotos, Hinweise zur Formatierung etc. So vermeidet man langes Suchen in den bereits erstellten Seiten und verzettelt sich nicht.

Zu guter Letzt: Alle hier vorgestellten Tipps und Regeln sollen dabei helfen dem Fotobuchprojekt einen Rahmen und dem Gestalter einen Anhaltspunkt zu geben. Wer die grundsätzlichen Gestaltungsregeln kennt, darf sie aber natürlich auch bewusst brechen, um gekonnt Akzente zu setzen. Schließlich soll das Fotobuch harmonisch und nicht langweilig wirken!

 

 

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Autor: | E-Mail: mirja.hespe|at|fotobuchmagazin.de

4 Kommentare zu “Kapitel 6 – 2. Teil: Fotobuch Hintergründe gekonnt gestalten & mehr…
  1. Lisa sagt:

    Die Idee einen Fotobuch Hintergrund mit einer besonderen Farbe von einem Foto zu gestalten ist mir auch schon öfter mal gekommen, wusste bisher aber nicht, wie das hinzubekommen ist. Gibt es nicht noch Alternativen zu dem vorgestellten Programm Scribus. Ich habe sowas wie Paint auf meinem Computer, dass ja schon kostenlos dabei ist. Wenn man aber dort die Pipette benutzen will, um eine Farbe zu nehmen, geht das nicht, wenn man den Paint-Bildschirm verlässt. Wie kann man den noch an eine gewünschte farbe aus einem Foto kommen?

  2. FM* - Das Fotobuch Magazin sagt:

    Hallo Lisa,

    wenn es unbedingt mit Paint passieren soll, gibt es die Möglichkeit, dass bestimmte Foto selbst in Paint zu öffnen und die gewünschte Farbe dann mit der Pipette zu extrahieren. Mit der extrahierten Farbe kannst du dann ein Hintergrundbild befüllen, in Paint speichern und dann in die Gestaltungssoftware laden.

  3. Alina Lindstedt sagt:

    Hallo,

    ich würde gerne den Hintergrund vom Buchcover (Vorder -und Rückseite)zweifarbig (black and white) gestalten.Ungefähr wie bei der Verpackung vom Black and White Kaffee von Tchibo.
    Bisher habe ich nur die Möglichkeit gesehen das Cover einfarbig zu gestalten. Haben Sie vielleicht einen Tipp?

    Vielen Dank

    MfG
    Alina Lindstedt

  4. FM* - Das Fotobuch Magazin sagt:

    Hallo Alina,

    eine sehr einfache Lösung wäre, du setzt einfach einfarbige Grafiken in schwarz und weiß wie Fotos ein. Du halbierst das Cover mit zwei Fotoplatzhaltern und setzt schwarze und weiße Grafiken ein, um die gewünschte Black&White Optik wie bei dem Kaffee hinzubekommen. Schwarze und weiße Flächengrafiken kannst du sicher im Internet fix runterladen. Diese Option, dass du selbst Fotos auf das Cover im Vollformat setzen kannst, sollte die Software des Anbieters auf jeden Fall anbieten. Achte aber darauf, dass die die Fotorahmen etwas über das Fotobuchformat (Beschnittkante) hinausziehst, damit nicht ein unschöner Rand entsteht und die farblichen Flächen auf jeden Fall das volle Format bedecken. Wir hoffen, wir konnten dir helfen!

    Grüße,
    Die Redaktion

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