Kapitel 4.4: Gestaltungssoftware


Mirja HespeVon Mirja Hespe

Die Autorin Mirja Hespe ist professionelle Fotobuchdesignerin und schreibt für FM* – Das Fotobuch Magazin die Tipps zur Fotobuchgestaltung. In 12 Kapiteln zeigen wir Euch, wie man mit einfachen Tipps mehr aus seinen Fotobüchern machen kann.

 


Gestaltungsprogramme der Online Druckereien

Prinzipiell bieten Fotobuchanbieter eigene Gestaltungsprogramme für die Erstellung von Fotobüchern an, die zumeist sehr intuitiv zu bedienen sind und über einige kreative Hilfsmittel verfügen. So können beispielsweise vorgefertigte Hintergründe oder Illustrationen eingefügt werden und die eigenen Fotos durch wenige Mausklicks mit einem Rahmen versehen sowie kleinere Bildbearbeitungen (Helligkeit, Kontrast, Farbgebung, etc.) vorgenommen werden.
Die Software kann in der Regel kostenlos von der Website des ausgewählten Anbieters heruntergeladen oder sogar direkt und ohne Download auf der Website des Druckanbieters gestartet werden. Wer über grundlegend gute Computerkenntnisse verfügt, kann sich normalerweise recht schnell mit den Funktionen der Programme vertraut machen. Dementsprechend sollte man auch in der Lage sein, gleich mit der Gestaltung loszulegen. Natürlich sind auch hier wieder die eigenen Ansprüche an das Fotobuch maßgebend und es bedeutet nicht, dass die Gestaltung auch schnell abgeschlossen werden kann.

 

Im Normalfall bietet die Software der Online-Druckereien drei grundsätzliche Möglichkeiten der Gestaltung:

  • Freies und kreatives Arbeiten: Es kann eine leere Vorlage gewählt werden, in die man durch „drag&drop“ die Bild- bzw. Textboxen auf die Arbeitsfläche zieht. Bei dieser Variante ist man völlig frei von Vorgaben und kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Dadurch, dass jedes Detail manuell positioniert werden muss, ist es jedoch auch die aufwendigste Variante.
  • Arbeiten mit Gestaltungsvorschlägen: durch Auswahl von vorgefertigten Layouts, kann man sich zumindest die Positionierungsarbeit sparen und von Gestaltungsideen Gebrauch machen. Normalerweise lassen sich die Bildboxen auch noch verschieben bzw. weitere Bild- und auch Textboxen einfügen, so dass die vorgefertigten Layouts zwar das Grundgerüst bilden (wahlweisen auf einigen oder auf allen Seiten), man aber doch noch ein individuelles Fotobuch daraus zaubern kann. Gerade wenn ein Fotobuch auch Text enthalten soll, ist jedoch mit viel Nacharbeit zu rechnen.
  • Automatisches Befüllen der Seiten: bei dieser Variante werden alle Seiten automatisch mit den zuvor selbst ausgewählten Fotos gefüllt. Durch die Automatisierung ist dies die schnellste Möglichkeit ein Fotobuch zu erstellen, allerdings muss auf jeden Fall danach noch ein Blick auf jede einzelne Seiten geworfen werden, denn erfahrungsgemäß kommt es hier häufig zu ungünstigen Bildzusammenstellungen. Teilweise sind wichtige Bildbestandteile nicht sichtbar oder bei Vorlagen mit schräg angeordneten Fotos z.B. Köpfe abgeschnitten. Außerdem nehmen diese Programme natürlich keine Rücksicht auf die Qualität des Bildmaterials. Bei einer individuellen Gestaltung würde man sicherstellen, dass beispielsweise ein etwas unscharfes Bild etwas kleiner abgebildet wird, wenn es trotz der Unschärfe im Fotobuch abgedruckt werden soll. Eine Software platziert eben die Bilder einfach der Reihe nach in der Layoutvorlage und mitunter kann es so dazu kommen, dass ein verwackeltes Bild auf einer gesamten Doppelseite dargestellt wird.

Variante 1 ist also die kreativste, individuellste und auch professionellste. Gerade wer es aber eilig hat und nicht ganz so kreativ ist, dem ist mit Variante 2 wahrscheinlich schon gut geholfen. Absolut abzuraten ist allerdings von Variante 3. Nur mit sehr vielen Korrekturen und Nacharbeit kann hieraus noch ein ansehnliches Fotobuch entstehen. Da ist es doch besser man entscheidet sich von vornherein für Variante 1 oder 2.

 
 
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Unabhängige Gestaltungsprogramme

Wer ganz frei von den Gestaltungsprogrammen der Fotobuchdruckereien arbeiten möchte, kann auf jeden Fall die Seiten für ein Fotobuch in jedem beliebigen Programm erstellen, in dem die entworfenen Seiten später als jpg-Datei ausgegeben werden können. Also in das Format, in das in der Regel auch Digitalkameras die Fotos speichern. Diese können dann einfach seitenfüllend in der Software der Druckerei platziert werden. Eine andere Möglichkeit ist, den Fotobuchentwurf als pdf zu exportieren und in dem Format an die Fotobuchdruckerei zu übermitteln. Hier muss man sich allerdings vorher erkundigen, ob der gewünschte Druckpartner diese Art der Datenübermittlung anbietet. Bei einigen ist es bereits möglich, jedoch nicht bei allen.

Für diese unabhängige Gestaltung sind unter professionellen Gestaltern besonders die Adobe Programme Photoshop und InDesign beliebt, aber auch z.B. QuarkXPress. Die beiden letztgenannten sind spezielle Satz- und Layoutprogramme, die auch für die Erstellung von Magazinen oder Broschüren verwendet werden. Diese Profiprogramme ermöglichen sehr großen Gestaltungsspielraum und verfügen über hilfreiche Instrumente, die exaktes und kreatives Arbeiten enorm erleichtern.

Möchte man bspw. mit Transparenzen oder Farbverläufen arbeiten oder besondere Texteffekte erzielen, wird man bei den Gestaltungsprogrammen der Online-Druckereien vielleicht die ein oder andere Funktion finden, jedoch nicht so gebündelt wie bei den professionellen Gestaltungsprogrammen.

Gestaltungssoftware: Beispiele

Links: Beispiel für Transparenz, der Text steht auf einem halbtransparenten, weißen Hintergrund, Mitte: Beispiel für einen radialen Farbverlauf wie er als Hintergrund verwendet werden kann, Rechts: Gekrümmter Text entlang des Kreises

Die Anschaffungskosten dieser Programme sind mit €850-1500 sehr hoch (die Nutzung als Cloud-Service beginnt bei ca. €36 monatlich) und da sie für die höchstprofessionelle Nutzung ausgelegt sind, erfordert es in der Regel doch viel Zeit, Geduld und sinnvoller Weise Schulungen, bis man mit den Programmen gut zurecht kommt und ein Ergebnis erzielt, das druckbar ist.

Eine kostenlose Alternative ist „Scribus“, das einfach aus dem Internet heruntergeladen und installiert werden kann. Diese umfangreiche Software bietet ebenfalls gute Voraussetzungen, um professionell arbeiten zu können. Wie aber bei den anderen Programmen aus dem Profi-Bereich sollte auch hier viel Zeit und Muße für die Einarbeitung einkalkuliert werden.

 

Entscheidung für eine Fotobuchdruckerei

Sind alle Entscheidungen zu Papier, Format und Software getroffen, muss „nur“ noch der richtige Druckpartner für das Fotobuchprojekt gefunden werden. Gibt man in der Suchmaschine im Internet „Fotobuch“ ein, erscheinen unendliche viele Suchergebnisse und meistens zahlreiche Werbeanzeigen. Auch wenn hinter vielen Anbietern letzten Endes die gleiche Druckerei steht, ist es zunächst schwierig, sich als Laie einen guten Überblick zu verschaffen. Das Angebot ist schlichtweg erschlagend und sich selbständig durch die Websites der Anbieter zu arbeiten ist nahezu unmöglich.

Man ist definitiv gut damit beraten, sich auf einer Vergleichsseite einen ersten Überblick zu verschaffen. Die Redaktion des Fotobuchmagazins hat sich dies zur wichtigsten Aufgabe gemacht und nimmt diese Herausforderung regelmäßig wieder an. Unter „Fotobuchtest 2012“ bzw. „Fotobuchtest 2013“ werden in prägnanten und übersichtlichen Tabellen die neuesten Testergebnisse dargestellt. Wer ein Fotobuch erstellen möchte, findet hier schnell Informationen zur Beurteilung der Druckqualität, Buchbindung, Software, Abwicklung und dem Preis-Leistungsverhältnis.

Hat man dann den Kreis der möglichen Druckpartner eingeschränkt, muss man unter den Auserwählten noch prüfen, ob sie auch das gewünschte Buchformat, die gewünschte Bindungsweise und Papier anbieten und wenn man mit der Software der Druckerei arbeiten möchte, ob diese den eigenen Gestaltungsansprüchen genügt.

 

 

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Autor: | E-Mail: mirja.hespe|at|fotobuchmagazin.de

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