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Reihe zur Fotobuchgestaltung

Das Auge des Betrachters

Mirja Hespe

Von Mirja Hespe

Die Autorin Mirja Hespe ist professionelle Fotobuchdesignerin und schreibt die Tipps zur Fotobuchgestaltung.

Das Auge des Betrachters

Das Auge des Betrachters: Bedenken Sie bei der Gestaltung eines Fotobuches immer, wer der spätere Betrachter sein soll oder kann. Wieviel wollen Sie preisgeben, wie intim darf das Fotobuch werden. Soll eine Geschichte erzählt werden oder sollen die Fotos für sich sprechen…

Bildgrößen, Design, individuelle Wirkung von Bildern, Intimität

Eng verbunden mit der Geschichte die das Buch erzählen soll, ist auch die Frage für wen das Buch gestaltet wird. Denken Sie bei der Gestaltung der einzelnen Seiten immer wieder an die folgenden Punkte, um sich nicht zu verzetteln.

 

Bildgrößen: Ausgefallene Darstellung vs. Erkennbarkeit des Motivs

Bleiben wir bei den vier nostalgischen Bildern. Mit den gleichen Bildern kann man auch eine viel verspieltere Seite gestalten. In diesem Beispiel wurde ein Bild in den Vordergrund gestellt, das man persönlich für sehr ausdrucksstark hält und das einem besonders gut gefällt.

Eine etwas verspieltere Variante

 

 

Andererseits macht es natürlich umso mehr Spaß ein Fotobuch zu betrachten, je weniger man sich anstrengen muss die Motive zu erkennen. Dieser Hinweis ist erstmal nicht auf die Auflösung der Bilder bezogen sondern zunächst auf das evtl. schon etwas schwache ‚Auge des Betrachters‘.

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Großflächiger dargestellte Bilder

 

 

Erfahrungsgemäß freuen sich vor allen Dingen Senioren mehr über großzügiger dargestellte Bilder als über ausgefallene Designs. In der Beispielseite b werden die Personen daher noch mehr in den Vordergrund gestellt und nicht das schönste Bild ist besonders groß gezogen sondern das mit den meisten Personen, damit diese gut zu erkennen sind. Wie klein die „kleinen“ Bilder im Buch dann tatsächlich sind, hängt natürlich ebenfalls von dem Format des Buches ab.

 

Design: modern oder konservativ, kindgerecht verspielt oder kreativ ausgefallen etc. Hierzu ein aktuelles Beispiel aus der Praxis. In der modernen Fotobuchgestaltung werden Bilder gerne einmal in einem sichtbaren Raster gezeigt. Dabei können die einzelnen Bilder nur einen einzigen Teil des Rasters füllen, sich aber auch über mehrere Teile erstrecken.

 

Für das kürzlich erstelltes Buch „Farbauftritt“ aus den Bildern der Hobbyfotografin Christiana Tschoepe wurde diese Technik für die erste Buchseite angewandt. Der Kundin hat diese Art der Darstellung sehr gut gefallen und das Buch wurde mit dieser Seite gedruckt.

Für eine ältere Dame wurde bei einer Buchseite die gleiche Art der Darstellung für Urlaubsaufnahmen gewählt. Für einige Betrachter war es die Lieblingsseite in dem Buch. Die Dame selbst fragte allerdings, warum denn da teilweise Linien durch die Bilder gehen… Die Seite wurde also wieder umgestaltet.

Man sollte sich also unbedingt immer wieder vor Augen führen, für wen das Buch erstellt wird, so dass möglichst auf jeder Seite der jeweilige Geschmack getroffen wird.

Individuelle Wirkung von Bildern

Wenn einem Patenkind in Russland mit Hilfe eines Fotobuches die eigene Familie und Lebensumgebung vorgestellt werden soll, ist es sinnvoll Fotos vom Haustier, von dem was man gerne isst, eines Waldspaziergangs etc. zu verwenden. Fotos, auf denen die eigenen Kinder die vielen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum auspacken, der Papa vor dem überdimensional großen Computerbildschirm sitzt und die Mama in der schicken Küche kocht, wären eher unvorteilhaft. Wenn der Gestalter das Buch allerdings für sich selbst erstellt oder den weit entfernt lebenden Eltern gezeigt werden soll, dass es der Familie gut geht, wäre die Auswahl der Bilder wieder natürlich.

Die Liste der Beispiele lässt sich hier beliebig ergänzen und auch hier zeigt sich wieder der Zusammenhang zur Geschichte, die mit dem Buch erzählt werden soll. Es gibt keine allgemeingültige Regel, außer sich in das Auge des Betrachters hinein zu versetzen.

 

Intimität

Wenn man sich vorstellt, dass ein Gast ein Fotobuch aus dem Regal nimmt und man sofort hochrot anläuft, sollte man sich Gedanken machen, ob das Buch später an einer anderen Stelle aufbewahrt wird oder man vielleicht auf das ein oder andere intime oder peinliche Bild verzichtet.

 

 

Das hört sich banal an. Wenn man jedoch bei der Erstellung von Kapitel 5 feststellt, dass es so viele Bilder gibt, die entscheidend für die ganze Geschichte sind und diese intimen oder peinlichen Bilder unbedingt ins Buch müssen, dann ärgert man sich, dass man in den vorherigen Kapiteln lange mit sich gerungen und auf entsprechende Bilder verzichtet hat. Das ist besonders nervig, denn dann müssen alle anderen Kapitel ggf. noch einmal überarbeitet werden.

 

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Autor: Mirja Hespe | E-Mail: mirja.hespe|at|fotobuchmagazin.de

 

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