Kapitel 8.3: Fotos freistellen mit Gimp


Mirja HespeVon Mirja Hespe

Die Autorin Mirja Hespe ist professionelle Fotobuchdesignerin und schreibt für FM* – Das Fotobuch Magazin die Tipps zur Fotobuchgestaltung. In 12 Kapiteln zeigen wir Euch, wie man mit einfachen Tipps mehr aus seinen Fotobüchern machen kann.

 


 

Fotos freistellen mit GIMP

Zu guter Letzt folgt nun noch ein dritter Teil zur Bildbearbeitung mit GIMP. Wer dezent Akzente setzen möchte in einem Fotobuch, greift gerne auf die Möglichkeiten des Freistellens zurück oder hebt einzelne Bildelemente in einem schwarz-weißen oder sepia-farbenen Foto farbig hervor. Mit beiden Möglichkeiten kann eine besondere Wirkung erzielt werden, die trotzdem nicht zu aufdringlich oder gar kitschig wirkt. Zumindest wenn die Effekte nur hin und wieder eingesetzt werden.

 

Fotos Freistellen

Hinweis: Frei gestellte Motive wirken besonders schön, wenn sie mit einem transparenten Hintergrund gespeichert werden. Dies ist nur möglich, wenn das bearbeitete Foto als .png Datei gespeichert wird. Es ist möglich, dass nicht jede Anbieter-Software mit diesem Format arbeiten kann. Damit Sie sich die Arbeit nicht umsonst machen, ist es ratsam, dies vor der Bildbearbeitung in der Software des Fotobuchanbieters zu testen.
Unter Freistellen versteht man das Entfernen des Hintergrundes um ein Motiv herum. Ein bestimmter Teil eines Fotos wird also ausgeschnitten. Für diese Art der Bildbearbeitung beziehen wir uns noch einmal auf einige Beispiele der letzten Kapitel. Gerade bei Hochzeitsbüchern ist es beliebt z.B. den Brautstrauß oder die Torte freizustellen (siehe Kapitel 7). Aber auch bei allen anderen Themen, bietet dies eine schöne Möglichkeit den Betrachter des Buches zu überraschen. Bei einem Reisebuch würde sich dies für Ortsschilder anbieten, bei Babybüchern könnten es aussagekräftige Schmuckelemente sein, die man so besonders hervorhebt. Hier bietet der Fisch aus Kapitel 2.4 ein schönes Beispiel, der an der Stelle zur Verdeutlichung des Sternzeichens ausgewählt wurde.

Um ein Motiv auf diese Art in GIMP auszuschneiden, wird zunächst das zu bearbeitende Foto, wie ganz zu Beginn dieses achten Kapitels beschrieben, geöffnet. Die folgenden Schritte erleichtert man sich durch Einblenden der Werkzeugpalette. Zu finden ist sie unter dem Menüpunkt „Werkzeuge“ – „Neuer Werkzeugkasten“.

Gimp Auswahlwerkzeug

Gimp Auswahlwerkzeug

Um nun den gewünschten Bereich ausschneiden zu können, muss mit einem der „Auswahlwerkzeuge“ der gewünschte Bereich markiert werden.

Die Abbildung rechts zeigt die möglichen Werkzeuge. Von links sind das die rechteckige Auswahl, elliptische Auswahl, Freihand-Auswahl, der Zauberstab, Auswahl nach Farben, magnetische Schere und die Vordergrundauswahl. Auf welches Werkzeug die Wahl schließlich fällt, ist abhängig von dem Bereich, der zu markieren ist.

Ein Blumenstrauß, wie in unserem Beispiel, ist dabei sicherlich kein Motiv, das besonders leicht zu bearbeiten ist. Durch die vielen kleinen grünen Blätter in unserem Beispielfoto ist dies schon eine recht anspruchsvolle Aufgabe, die auch Geduld erfordert. Wir haben uns für die magnetische Schere entschieden, die uns hilft eine Markierungslinie entlang der Kanten zu zeichnen. Dazu setzen wir manuell (durch Klicken) Punkte, die das Werkzeug dann entlang der Farbkanten miteinander verbindet.

 

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Um den Strauß möglichst exakt markieren und ausschneiden zu können, muss zunächst recht weit in das Bild hineingezoomt werden. Dazu das Lupensymbol in der Werkzeugpalette auswählen. Es erscheinen neben dem Cursor eine kleine Lupe und ein Pluszeichen. Durch einfachen Klick in das Bild wird nun also weiter in das Foto hineingezoomt. Erscheint Ihnen der Bildausschnitt zu groß kann bei gedrückter Strg-Taste auch wieder aus dem Bild herausgezoomt werden. Gleiches lässt sich durch Drücken der Strg-Taste und gleichzeitigem Drehen des Mausrades erreichen.

Die Markierung kann an einem beliebigen Punkt an der Kante des Motivs begonnen werden.

Tipp: Sollte nach dem Zoomen der Rand des Motivs nicht zu sehen sein, kann der Bildausschnitt einfach verschoben werden. Entweder durch vorherige Auswahl des „Verschieben-Symbols“ in der Werkzeugpalette oder durch gedrückt halten der Leertaste, wodurch kurzfristig vom Zoom- oder Auswahlmodus in den Verschiebemodus gewechselt wird.

In unserem Beispielfoto lässt sich der Bereich, in dem sich die roten Rosen vor dem Schwarz des Anzuges befinden, leicht abgrenzen. Hier können die Punkte weiter auseinander gesetzt werden, da das Werkzeug die Kante aufgrund der deutlichen Farbunterschiede gut bestimmen und sauber markieren kann.

Fotos freistellen mit Gimp

Fotos freistellen mit Gimp

 
Diese Abbildung verdeutlicht die letzten drei Schritte. Ganz links ist das gezoomte Foto zu sehen. In der Mitte wurde der Fotoausschnitt so verschoben, dass die Kanten des Motivs gut sichtbar sind und rechts ist das Foto noch einmal weiter herangezoomt und die ersten Markierungspunkte wurden mit der magnetischen Schere gesetzt.

In anderen Bildbereichen, in denen sich der Hintergrund nicht so stark vom Motiv abhebt und bei dem auch an das Motiv selbst entlang der Kanten verschiedene Farbnuancen aufweist (wie bei den Efeublättern), müssen Sie dem Werkzeug mehr „helfen“ die Konturen richtig auszumachen.
Bei der linken Darstellung der nachfolgenden Abbildung ist zu sehen, dass die magnetische Schere die Linie nicht exakt entlang des Efeublattes führt. An diesen Stellen müssen also mehr Markierungspunkte gesetzt werden, wie das rechte Bild verdeutlicht.

Motiv im Foto umranden

Motiv im Foto für das Freistellen umranden.

 
Auf diese Weise wird nun das gesamte Motiv umrandet. Geschlossen wird die Linie zum Schluss mit einem Klick auf den zuerst gesetzten Punkt.

Sehr hilfreich ist, dass Markierungspunkte im Nachhinein verschoben werden können, um die Umrandung noch zu präzisieren. Das nächste Beispiel zeigt, dass in der linken Darstellung ein Punkt versehentlich an den roten Rand der Rose gerutscht ist (gelb markiert). Um nun auch das Rosenblatt noch mit zu markieren, fahren Sie einfach mit der Maus auf den Punkt (wichtig ist, dass neben dem Cursor das Scherensymbol und „Verschieben-Kreuz“ erscheinen) der verschoben werden soll. Bei gedrückter Maustaste können Sie ihn an die gewünschte Position verschieben (gelbe Markierung im rechten Bild). Die magnetische Schere setzt die Markierungslinie nun entlang der grünen Linie des Blattes.

Markierungspunkt verschieben

Markierungspunkt verschieben

 
Auf ähnliche Weise lassen sich auch zusätzliche Punkte einfügen. Dazu mit dem Mauszeiger auf die gewünschte Stelle der Markierungslinie klicken. Dabei erscheinen das Scherensymbol und ein Pluszeichen neben dem Cursor.

Sobald Sie mit der Markierung zufrieden sind, kann das Motiv durch Klick in den umrandeten Bereich ausgewählt werden. Eine Möglichkeit den Brautstrauß freizustellen ist, die Auswahl nun zu invertieren, also umzukehren. Dadurch ist nicht mehr der Strauß ausgewählt sondern der restliche Teil des Fotos, den Sie durch Drücken der „Entfernen-Taste“ löschen können.

Zur Verdeutlichung haben wir dieses Zwischenergebnis als .jpg gespeichert und auf eine gelbe Seite gelegt. Wie auf dem Untergrund zu sehen ist, hat das freigestellte Motiv bei dieser Methode einen weißen Hintergrund.

Blumenstrauss freigestelltDeutlich schöner ist es, wenn der Hintergrund des Straußes nicht weiß ist sondern transparent, wie bei dem Beispiel rechts.

Dazu bleiben wir bei dem Zwischenstand mit dem weißen Hintergrund und ändern einfach das weiß in transparent. Wenn der Hintergrund nicht mehr ausgewählt ist, einfach noch einmal, z.B. durch Klick mit dem Zauberstab-Werkzeug in die weiße Fläche klicken und so markieren. Anschließend unter dem Menüpunkt Farben den Unterpunkt „Farbe zu Transparenz“ auswählen und „OK“ klicken. Das weiß wird durchsichtig, was durch ein graues Karomuster dargestellt wird.

Nun ist es wichtig, dass das Foto als .png Datei gespeichert wird. Nun so bleibt die Transparenz des Hintergrundes erhalten. Speichert man die Datei hingegen z.B. als .jpg, wird der transparente als weißer Hintergrund gespeichert. Das Speichern als .png Datei erfolgt unter „Datei“ und „Exportieren als“. Im Feld „Name“ dann die Endung der Datei in .png ändern.

Als letzter Hinweis zu diesem Punkt: Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass noch einige Bereiche zwischen den Blättern das weiße Hochzeitskleid zeigen. Für eine perfekte Bearbeitung sollten auch diese Bereiche noch ausgewählt und entfernt werden. Zum Beispiel wieder mit der magnetischen Schere. Ebenfalls denkbar wäre der Einsatz des Zauberstab-Werkzeuges, das Bereiche auswählt, die farblich identisch sind.

 

Schwarz-weiß Fotos mit farbigen Elementen

Diese Art der Bildbearbeitung wird auch Colorkey-Technik genannt. Ein sehr beliebtes Beispiel und daher leider auch schon leicht abgedroschen, ist die rote Rose auf schwarz-weißem Hintergrund. Gerade bei Hochzeitsbüchern ist sie dennoch beliebt und bei stilvollem Einsatz sind solche Fotos nach wie vor ein „Hingucker“.

Um diesen Effekt zu erzeugen, gibt es einige verschiedene Methoden. Ein einfacheres Verfahren möchten wir an dieser Stelle vorstellen und greifen dafür noch einmal auf die ersten Schritte der unter dem letzten Punkt vorgestellten Methode des Freistellens zurück.
Um einmal nicht die besagte rote Rose als Beispiel zu nehmen, haben wir uns für ein Foto von Lebkuchenherzen entschieden. Nur ein kleines Dekoelement soll dabei rot bleiben, der Rest schwarz-weiß werden.

 

Schwarz-Weiß Fotos mit farbigen Elementen

Schwarz-weiß Fotos mit farbigen Elementen

 
Wie unter Punkt V beschrieben wählen wir unter den Auswahlwerkzeugen wieder die magnetische Schere aus und umranden damit das kleine rote Herz. Anschließend kehren wir, auch wie im letzten Beispiel, die Auswahl um durch Klick im Menü auf „Auswahl“ und „Invertieren“. Dadurch ist also das gesamte Foto bis auf das Herzchen markiert. Indem Sie nun noch unter „Farbe“ und „Farbton/Sättigung“ (siehe mittlere Darstellung der oberen Abbildung) den Regler für die Sättigung nach ganz links bewegen, wird der Rest des Bildes schwarz-weiß.
Anschließend muss das bearbeitete Bild lediglich noch abgespeichert werden.

 

Achtung Farbmanagement!

Ein sehr wichtiger Punkt zum Thema Bildbearbeitung ist das Farbmanagement. Ziel dessen ist, Farben an einem Eingabegerät so anzeigen zu lassen, wie sie später auch ausgegeben werden. Mit anderen Worten und auf die Fotobuchgestaltung bezogen: bei der Bildbearbeitung bzw. Fotobucherstellung soll ein Foto also am heimischen Computer die Farben möglichst so darstellen, wie sie später im Fotobuch erscheinen. Dies zu erreichen ist nur möglich, wenn man sich eingehend mit dem Thema beschäftigt und entsprechende Einstellungen vornimmt. Je nach Anspruch ist Farbmanagement auch mit kleineren oder größeren Investitionen verbunden.

An dieser Stelle sei nur darauf hingewiesen, dass Farben ohne Farbmanagement am eigenen Bildschirm nicht genau so aussehen wie später im Fotobuch. Die Farbdarstellung und –wahrnehmung ist abhängig von dem jeweiligen Gerät, den eigenen Bildschirmeinstellungen, vom Lichteinfall, Farben der Umgebung (farbige oder weiße Wände) und vielen weiteren Einflüssen.

Fallen die Farben im Fotobuch also nicht aus wie gewünscht, ist dies nicht unbedingt ein Fehler des Fotobuch-Anbieters.

 
 

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Autor: | E-Mail: mirja.hespe|at|fotobuchmagazin.de

2 Kommentare zu “Kapitel 8.3: Fotos freistellen mit Gimp
  1. Ann-Kathrin sagt:

    Hallo Mirja,

    danke für die sehr schöne Erklärung. Ich wollte immer schonmal selbst Fotos freistellen und nicht nur fertige Sachen aus dem Internet nutzen. Ich werde mich mal mit deiner Anleitung an die Sache herantrauen. Es klingt ja beim ersten Lesen wirklich nicht sooo schwierig, wie ich dachte.

    Tolle Tipps hier 🙂

  2. FM* - Das Fotobuch Magazin sagt:

    Hallo Ann-Kathrin,

    es freut uns, wenn dir unsere Tipps helfen. Wir hoffen, deine ersten Gehversuche beim Freistellen der Fotos werden gleich ein Erfolg…

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